Die aktuelle Finanzkrise hat es deutlich gezeigt: das bestehende bankaufsichtliche Meldewesen ist nicht mehr zeitgemäß, gibt es doch der Aufsicht nicht die Möglichkeit, die wirkliche Situation einzelner Institute oder Institutsgruppen tiefgreifend zu analysieren. Zur Erarbeitung von Lösungsansätzen für die Verbesserung des bankaufsichtlichen Meldewesen haben Bundesbank und BaFin die „AG Meldewesen“ eingerichtet. Die Ergebnisse wurden am 3. März 2011 von Bundesbank und BaFin gemeinsam vorgestellt.

Ziel dieses Konzeptes zur Modernisierung des bankenaufsichtlichen Meldewesens (PDF, 620KB) ist vor allem eine Stärkung der mikro- und makroprudentiellen Bankenaufsicht, d.h. die Überwachung einzelner Institute sowie des störungsfreien Zustand des (nationalen oder globalen) Finanzsystems. Das Konzept ist modular strukturiert und sieht vor allem Anpassungen in den Bereichen unterjährige Finanzdaten sowie der Millionenkredit-Meldung (KWG §14) vor. So wird angestrebt, zukünftig quartalsweise auch Informationen über die unterjährige Ertragssituation zu erhalten (Modul A). Durch eine deutliche höhere Detailtiefe in der Millionenkredit-Meldung soll zudem die Aussagekraft dieser Meldung insgesamt verbessert werden (Modul B). Ferner werden ein EU-weit einheitlich definiertes, konsistentes Meldewesen zur Solvabilität (Modul C) sowie Informationen im Bereich „Risikotragfähigkeit nach SolvV Säule 2 (Modul D) adressiert. In diesen Teilbereich wird voraussichtlich auch die Großkredit- und die Liquiditätsmeldung integriert werden.

Die nachfolgende Aufstellung gibt einen kurzen Überblick über die einzelnen Module. Die detaillierten Meldeanforderungen können aus den veröffentlichten Vorschlägen der Meldeformate gezogen werden.

Umsetzung in mehreren Stufen geplant

AG Meldewesen: Modernisierung der BankenaufsichtUmsetzungsplan der AG Meldewesen Die Bundesbank und die BaFin sind der Auffassung, dass die vorgeschlagenen Module des Konzeptes die Leistungsfähigkeit für eine risikoorientierte Bankenaufsicht deutlich erhöht werden. Ferner würden die zukünftig zusätzlich bzw. detaillierter erhobenen Daten neue Analysen ermöglichen, welche dazu beitragen werden, die Finanzmarktstabilität nachhaltig zu verbessern.

Das vorgestellte Konzept wird nun mit den betroffenen meldepflichtigen Parteien in einer Konsultationsphase bis Ende April 2011 abgestimmt und soll anschließend zeitnah durch eine Übergangslösung für die ersten Punkte umgesetzt werden. Jedoch sind gerade die Anforderungen des Moduls B sehr komplex und erfordern einen deutlich längeren Umsetzungszeitraum. Dieser erstreckt sich über mehrere Jahre und ist mehrstufig gestaltet.

Um sicherzustellen, dass es zu keinen Überschneidungen zwischen den neuen Vorschlägen und den bestehenden Meldepflichten kommt und der Informationswert der aktuellen Meldungen nicht durch die Änderungsvorschläge obsolet wird, hat die AG Meldewesen die aktuellen Regelungen tiefgreifend analysiert. Die Prüfung kam zu dem Ergebnis, dass - auch aufgrund von europäischen Vorgaben - nur äußerst geringe Spielräume für Streichungen bestehen und nur sehr wenige Überschneidungen vorhanden sind.

Anpassung der IT-Systeme notwendig 

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die aktuellen melderechtlichen Pflichten der Aufsicht nur bedingt einen tiefen und aussagekräftigen Einblick in die reale Situation der Kreditinstitute geben. Hier muss gegengesteuert werden. Das Konzept der AG Meldewesen ist hierbei ein erster Schritt, dem mit Basel III und CRD IV weitere, sicher noch nicht abschließende Schritte folgen.

Die vorgeschlagenen Änderungen schätzt die AG Meldewesen selbst als „IT-technisch nur über einen längeren Zeitraum von der Bundesbank umsetzbar“ ein. Ferner empfiehlt sie den Umsetzungsrahmen „im Dialog mit der Industrie und unter Berücksichtigung damit verbundener IT-technischer Restriktionen“ zu besprechen. Hieraus ist zu erkennen, dass der Aufsicht bewusst ist, dass die Umsetzung der zusätzlichen Anforderungen an das bankaufsichtliche Meldewesen der Kreditinstitute zeitintensiv und komplex sein wird.

Trotzdem hat die Aufsicht einige Banken schon jetzt aufgefordert, die COREP-Meldungen gemäß dem Rundschreiben "Modernisierung Bankenaufsicht" für die letzten drei Jahresultimos sowie den Meldestichtag 31.03.2011 nachzuerstellen.

Für Kreditinstitute bedeuten die neuen Anforderungen der Aufsicht daher vor allem erst einmal hohe Investitionen für die Verbesserung ihrer Meldewesenverarbeitung. Gleichzeitig ergeben sich aber auch Chancen. Denn die im Rahmen des Meldewesens aufwändig ermittelten und aufbereiteten Informationen können die Datenbasis für betriebswirtschaftliche Entscheidungen erheblich verbessern. Dieses ermöglicht im Management eine zielgenauere (Gesamtbank-)Steuerung. So kann das Meldewesen zukünftig aktiv zum Unternehmenserfolg beitragen.

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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