Im Februar 2020 hat der Bankenfachausschuss (BFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) die finale Fassung des IDW ERS BFA 7 (BFA 7) veröffentlicht. Die Vorgaben sind insbesondere relevant für Kreditinstitute, die unter die Definitionen des § 1 KWG fallen. Die Regelungen sind für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2021 beginnen, verbindlich anzuwenden.

Pauschalwertberichtigung erfährt Paradigmenwechsel

BFA 7 stellt einen Paradigmenwechsel bei der Pauschalwertberichtigung dar: weg von rückwärtsgewandten historischen Ausfallquoten (Incurred Loss) hin zum zukunftsgerichteten erwarteten Verlust (Expected Loss - analog IFRS 9) inklusive der Berücksichtigung der aktuellen Risikosituation und zukünftiger Ausfallerwartungen in Bezug auf die (Rest-)Laufzeit der Forderung.

Die Regelungen sind auf Forderungen an Kreditinstitute und Kunden (§§ 14, 15 RechKredV) anzuwenden. Unter letztere fallen nun auch Forderungen gegenüber der Öffentlichen Hand. Weiterhin sind Eventualverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen (§§ 26, 27 RechKredV) zu berücksichtigen, sofern mit einer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist. Als Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Pauschalwertberichtigung sind die Buchwerte bzw. der Verpflichtungsumfang am jeweiligen Abschlussstichtag heranzuziehen.

BFA 7 ermöglicht freie Methodenwahl und vereinfachte Verfahren

Grundsätzlich gewährt BFA 7 bei der Ermittlung der Pauschalwertberichtigung Methodenfreiheit. Allerdings muss die gewählte Methode stets eine sachgerechte und vorsichtige Schätzung der vorhersehbaren Verluste gewährleisten. Ein wichtiger Grundsatz besteht darin, dass bei der Ermittlung der Pauschalwertberichtigung die erwarteten Verluste für die Restlaufzeit des Finanzobjekts zu berücksichtigen sind (Expected Lifetime Loss).

Vorhersehbare Kreditausfälle sind um in den zukünftigen, vertraglich vereinbarten Zinserträgen (Zinsbindung) enthaltene Bonitätsprämien zu mindern, soweit die Bonitätsprämien bei Geschäftsabschluss das erwartete Kreditrisiko nachweislich kompensieren ("Vergleichsrechnung").

Aus Praktikabilitätsgründen können Institute eine der folgenden Bewertungsvereinfachungen anwenden:

  • Ermittlung der Pauschalwertberichtigung - unter bestimmten Voraussetzungen - anhand der Höhe der erwarteten Verluste der nächsten zwölf Monate (12-Monats-Expected Loss)
  • Ermittlung der Pauschalwertberichtigung nach dem 2-Stufen-Modell aus IFRS9 basierend auf HGB-Bemessungsgrundlage und HGB-Anwendungsbereich

Der SAP RBD-Standard bildet das 2-Stufen-Modell und den 12-Monats-Expected Loss nach BFA 7 ab.

Der SAP RBD-Standard bildet das 2-Stufen-Modell und den 12-Monats-Expected Loss nach BFA 7 ab. Weiterhin bietet er die Möglichkeit Einzelwertberichtigungen auf Basis des ECF-Ansatzes (Expected Cash Flow) zu bilden und zwischen diesen Verfahren zu wechseln.

BFA 7 Implementierung: Einfach mit SAP RBD-ipx

SAP RBD impairment processing extension (RBD-ipx) ist eine Zusatzkomponente für das SAP Impairment-Modul Reserve for Bad Debts. Diese ermöglicht die Berechnung, Buchung und Bestandsführung von pauschalierter Risikovorsorge anhand Verlustquoten-basierter Verfahren. Zum Produktstandard gehört die Möglichkeit, zwei Rechnungslegungsvorschriften parallel zu verarbeiten (Dual-GAAP-Fähigkeit).

Institute, die RBD-ipx im Einsatz haben und ihren Jahresabschluss auch nach IFRS9 ausweisen, können das bestehende 2-Stufen-Modell auch für die HGB-Verarbeitung nutzen. Es sind nur marginale Anpassungen durchzuführen. Wurden bisher keine HBG Berechnungen in RBD-ipx durchgeführt, muss lediglich die HGB-Verarbeitung aktiviert werden und ggf. eine Migration der HGB-Bestandsdaten erfolgen.

Die Experten der iBS unterstützen aktuell alle RBD-ipx-Kunden, die der Rechnungslegung nach HGB unterliegen, bei der Umsetzung der BFA 7-Vorgaben. Die Projekte stehen kurz vor dem Abschluss.
iBS Kunden werden somit in der Lage sein, die neuen BFA 7 Vorgaben termingerecht umzusetzen. Einige Institute werden sogar von der vorzeitigen Anwendungsmöglichkeit Gebrauch machen.

Wenn Sie Fragen zur pauschalierten Risikovorsorge in SAP Banking haben, kommen Sie gerne auf uns zu. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.

 

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