Im Rahmen des CRD IV-Reformpaketes hat die EU auf Empfehlung des Baseler Ausschusses zusätzliche Kapitalpuffer zur Ergänzung des harten Eigenkapitals vorgesehen, darunter den antizyklischen Kapitalpuffer CCB (Countercyclical Capital Buffer). Dessen Höhe hat die BaFin nun erstmals verbindlich festgelegt. Um Institute bei der Eigenkapitalplanung zu unterstützen, evaluiert die iBS aktuell die Entwicklung einer entsprechenden Simulations-Lösung.

Der CCB ist ein makroprudentielles Instrument. Im Vordergrund steht somit die Stabilität des gesamten Finanzsystems. Explizit soll der CCB das Risiko eines übermäßigen Kreditwachstums im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum („Kredit/ BIP-Lücke“) im Bankensektor entgegenwirken.

Die rechtlichen Grundlagen des CCB finden sich in den Artikeln 130 sowie 135-140 der Capital Requirements Directive (CRD IV), ihre nationale Umsetzung im §10d KWG i.V.m. §64r KWG. Dieser ist von Instituten in Deutschland ab dem 01.01.2018 einzuhalten.

CCB-Idee: Spare in der Zeit, dann …

Der Grundgedanke des CCB ist folgender: in wirtschaftlich guten Zeiten mit starkem Kreditwachstum sollen die Institute mit dem CCB einen zusätzlichen Kapitalpuffer aufbauen und so ihre Verlustabsorptionsfähigkeit in wirtschaftlich schlechten Zeiten erhöhen. Der CCB darf von den Instituten im Krisenfall abgebaut werden und zur Abfederung von Verlusten aus Kreditrisiken dienen; dadurch sollen zum einen Schieflagen der Institute vermieden und zum anderen die Entstehung einer Kreditklemme verhindert werden.

Die Höhe des CCB wird vierteljährlich auf Basis volkswirtschaftlicher Indikatoren von der nationalen Aufsicht, d.h. in Deutschland von der BaFin, festgelegt. Er kann einen Wert zwischen 0,00% und 2,50% annehmen und ist ein Aufschlag auf das bereits vorzuhaltende harte Kernkapital ("Common Equity Tier 1", kurz "CET1") der Institute. Als Basis der Festlegung der CCB-Höhe in Deutschland dienen von der Bundesbank bereit gestellte volkswirtschaftliche Indikatoren. Eine Anpassung kann in Schritten von 0,25% erfolgen.

CCB-Berechnung auf Länderebene

Die Höhe des institutsspezifischen CCB ergibt sich aus dem Produkt von Eigenmittelanforderungen und CCB der nationalen Aufsicht. Institute, die Risikopositionen mit ausländischen Kreditnehmern in ihrem Kreditportfolio haben, müssen die in dem jeweiligen Land von der dortigen nationalen Aufsicht festgelegten CCBs anteilig berücksichtigen.

Beispiel

EM-Anforderung in DE: € 100 Mio.  CCB DE: 0%, 
EM-Anforderung in CH: € 100 Mio.  CCB CH: 2%
„CCB-gewichtete EM-Anforderungen“: € 100 Mio x 0% + € 100 Mio. x 2% = € 2 Mio.
Institutsspezifischer CCB / Aufschlag auf CET1: € 2 Mio. / € 200 Mio. = 1%

Zur Nachvollziehbarkeit der Analyse hat die Deutsche Bundesbank hierzu das Dokument "Der antizyklische Kapitalpuffer in Deutschland" veröffentlicht.

Die erste ‚echte Meldung' zum 31.03.2016 wird eine Nullnummer

Zum 01.01.2016 hat die BaFin erstmals die CCB-Höhe für Deutschland festgelegt - aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage (Grundlage sind die Daten von 06/2015) mit 0,00%.

In der COREP-Meldung zum 31.03.2016 ist die Berechnung des CCB erstmals einzubeziehen und dabei auf die Summe der RWA-Eigenmittelanforderungen („EM-Anforderung“) anzuwenden. Zu melden ist der institutsspezifische CCB als Prozentsatz.

Im Rahmen der Eigenkapitalplanung ist es für Institute sinnvoll, durch Szenario-Berechnungen entsprechende Entwicklungen zu simulieren, um frühzeitig entsprechende Maßnahmen planen zu können.

iBS evaluiert Szenario-Rechner

Die iBS ist aktuell mit verschiedenen Instituten bzgl. der Entwicklung eines standardisierten Simulationsrechners in Gesprächen, welcher die Institute optimal bei ihren Eigenkapital-Planungen unterstützt.

Hierbei liegt der Fokus in einem ersten Schritt auf dem hier beschriebenen CCB gemäß §10d KWG. In späterem Verlauf könnten weitere Kapitalpuffer in den Szenarien-Rechner integriert werden.

Interessierte Institute sind herzlich eingeladen, sich an diesem Dialog zu beteiligen. Sprechen Sie uns an, wir freuen uns auf Sie!

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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