Ende Oktober hatte die Deutsche Kreditwirtschaft der Deutschen Bundesbank ihre Kritik an dem geplanten Euro-Kreditmelderegister AnaCredit übermittelt - nach Medienberichten mit wenig Erfolg. Jetzt hat sie ihre Haltung gegenüber AnaCredit in einer Pressemitteilung noch einmal öffentlich dargelegt.

In dem am 17. November 2015 veröffentlichten Text verweist die Interessenvertretung der kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände auf inhaltliche Gemeinsamkeiten mit dem Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld. Dieser habe nach Angabe des Verbandes bei einer Branchenkonferenz AnaCredit als aus bankaufsichtlicher Sicht entbehrlich bezeichnet.

Wesentliche Kritikpunkte der Deutschen Kreditwirtschaft sind

  • die aus ihrer Sicht zu geringe Meldegrenze in Höhe von € 25.000 je Kreditnehmer
  • verbraucher- und datenschutzrechtliche Bedenken durch die Weitergabe sensibler, personenbezogener Daten 
  • Kosten-/Nutzen-Verhältnis der Meldepflicht auf konsolidierter Ebene (unter Berücksichtigung konzerninterner Geschäfte)
  • die entstehenden hohen Aufwände für Implementierung und laufenden Kosten

Ausdrücklich begrüßt wird von der Deutschen Kreditwirtschaft hingegen die EZB-Ankündigung, nationalen Aufsehern die Befreiung kleiner Institute von der Meldepflicht zu ermöglichen. Sie erwarte von der deutschen Aufsicht, diese Möglichkeit auch zu nutzen.

In Summe sieht die Deutsche Kreditwirtschaft in dem als Statistikprojekt ausgewiesenen EZB-Vorhaben "vielfältigen Bezüge zur Aufsicht". Daher sollte AnaCredit ihrer Auffassung nach einer öffentlichen Konsultation unterzogen werden.

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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