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Anfang 2014 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Pläne zur standardisierten Erfassung hochgranularer Kreditdaten auf Einzelvertragsebene (loan-by-loan) vorgestellt. Im Rahmen des Projektes Analytical Credit Dataset, kurz "AnaCredit", soll hierzu bis 2017 ein einheitliches Kreditregister im Euroraum aufgebaut werden. Per Beschluss EZB/2014/6 wurden die nationalen Zentralbanken mit entsprechenden Vorbereitungen betraut.

Seitdem haben die EZB sowie die Deutsche Bundesbank die wesentlichen Details zur Umsetzung bekannt gegeben.

Einführung in Phasen

AnaCredit wird in drei Stufen eingeführt. Dabei wird der Kreis der meldepflichtigen Institute sowie der Meldeinhalte sukzessive erweitert. Erstanwendung ist nach aktuellem Stand der Januar 2018.

  Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3

Implementierung (Referenzperiode)

 01.01.2018
(31.01.2018)
 01.07.2019
(31.03.2019)
 01.09.2020
(30.06.2020)
Meldepflichtige Einzelinstitute

Kreditinstitute
nach CRR Art. 4

Einlageninstitute
nach  EU/1071/2013
evtl. weitere kreditgebende Institutionen
Meldepflichtige Gruppen  ./. Muttgergesellschaften von Bankengruppen unter EZB-Aufsicht Muttgergesellschaften von Bankengruppen ohne EZB-Aufsicht
Kreditnehmer Juristische Personen Natürliche Personen
Kredite

nur

  • Buchkredite
  • Einlagen des KI bei anderen KI
  • Kreditzusagen

zusätzlich

  • Finanzderivate
  • Andere Forderungen
  • Außerbilanzielle Positionen

zusätzlich

  • Kredite an Personengesellschaften und Einzelkaufleute (außer Konsumentenkredite)
  • Wohnbaudarlehen

Mehrstufige Meldung

Im Prinzip kann Euro-Kreditregister nach AnaCredit als Datenbank mit zweiteiliger Datenhaltung betrachtet werden, welche kaskadierend befüllt wird.

  1. Die meldepflichtigen Kreditinstitute sammeln die notwendigen Informationen zu unter AnaCredit fallende Kredite auf Einzelvertragsebene. Diese sind aufgeteilt in Stammdaten (Meldung: initial und bei Änderungen) und Betragsdaten (regelmäßiger Meldeturnus monatlich bzw. quartalsweise).
     
  2. Die nationalen Aufsichtsbehörden, in Deutschland die Bundesbank, führen als Meldungsempfänger die Daten der Institute in einem nationalen Kreditregister zusammen.
     
  3. Die Europäische Zentralbank nimmt die Daten von den nationalen Aufsichtsbehörden - ebenfalls auf Einzelvertragsebene - entgegen und übernimmt sie in ihr zentrales Euro-Kreditregister.

Niedrige Meldeschwelle, umfassender Umfang

Nach den aktuell veröffentlichten Anforderungen sind Darlehen ab einer Meldeschwelle von € 25.000 pro Kreditnehmer meldepflichtig,  bei Leistungsstörungen ("Non-Perfoming Loans") sogar ab € 100. Je Einzelkredit sind 175 Attribute (Datenfelder) verteilt auf 12 Gruppen (Tabellen) zu übermitteln. Dazu gehören klassische Stamm- und Vertragsdaten, aber auch weitergehende Informationen wie bspw. Umsatz bzw. Einkommen des Kreditnehmers oder Kennzahlen zum Kreditrisiko aus Institutssicht.

  Inhalt Granularität Meldefrequenz
Counterparty reference data Kunden-Stammdaten je Kreditnehmer initial, bei Änderung
Instrument Stammdaten des Instrument Einzelgeschäft initial, bei Änderung
Financial Finanzinformationen
des Instrument
Einzelgeschäft

Institut: monatlich

Gruppe: vierteljährig

Counterparty-instrument  Zusätzliche Vertragspartnerdaten Einzelgeschäft initial, bei Änderung
Joint liabilities Vefügbare Verpflichtung Einzelgeschäft

Institut: monatlich

Gruppe: vierteljährig

Linked contract Dazugehörige Kontrakte

Neuverträge

Bestände

initial, bei Änderung
Accounting Rechnungswesen Einzelgeschäft Vierteljährig
Collaterals & guarantees received Erhaltene Sicherheiten je Sicherheit initial, bei Änderung
Instrument - collaterals & guarantees received Stammdaten erhaltene Sicherheiten je Sicherheit initial, bei Änderung
Counterparty credit risk data Risikodaten des Vertragspartners Kreditnehmer initial, bei Änderung
Credit risk Bewertungsdaten Einzelgeschäft Vierteljährig
Group of connected clients Stammdaten Gruppe verbundener Kunden Gruppe verbundener Kunden initial, bei Änderung
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