Das Thema Analytical Credit Dataset, kurz "AnaCredit", beschäftigt die Kreditinstitute jetzt seit einem guten Jahr – und wohl noch etwas länger. Eine kurze Zusammenfassung von Status quo und Ausblick.

Im März 2014 verkündete die EZB, dass für die Erfüllung ihrer makro- und mikroprudentiellen Aufgaben sowie zur Beantwortung von geldpolitischen Fragen notwendig sei, sehr granulare Daten von Krediten zu erheben. Per Beschluss EZB/2014/6 wurden die nationalen Zentralbanken aufgefordert, entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen.

Für eine detaillierte Konzeption und Umsetzungsplanung führte die EZB im weiteren Verlauf 2014 eine Kosten- Nutzen-Analyse durch. Seitdem arbeitet die EZB an einem ersten Umsetzungsentwurf.

Erste AnaCredit-Meldung wohl erst 2017

Eine rechtsverbindliche Grundlage für die Implementierung der neuen Anforderungen wird von der EZB voraussichtlich Anfang Mai 2015 veröffentlicht. Die nationale Umsetzung erfolgt in Deutschland anschließend im Rahmen einer ergänzenden Bundesbankverordnung. Hintergrund ist, dass es sich bei AnaCredit um eine statistische Meldung handelt, die über §18 Bundesbankgesetz umgesetzt werden kann. Ausgehend von diesem Zeitplan geht die Bundesbank davon aus, dass die erste Meldung nicht wie ursprünglich von der EZB angestrebt Ende 2016, sondern erst ein Jahr später zu erfolgen hat.

Meldeumfang soll stufenweise erweitert werden

Die Einführung der zusätzlichen Meldeanforderungen wird von dem Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) in mehreren Schritten vorgesehen. Im ersten Schritt sollen die Kreditinstitute quartalsweise Daten zu Krediten gegenüber Nicht-Finanzunternehmen und dem öffentlichen Sektor ab einer Höhe von € 50.000 auf Einzelkreditebene (Loan-by-Loan) melden. Dieses bedeutet, dass im Vergleich zu dem in Deutschland schon vorhandenen Kreditregister, der Millionenkreditmeldung, die Meldegrenze deutlich von 1 Mio. € sinken wird.

Mit diesem ersten Schritt wird es jedoch nicht für die Kreditinstitute getan sein. Denn schon jetzt ist von der EZB vorgesehen, dass im zweiten Schritt zum einem die Meldegrenze auf € 25.000 sinken wird und zum anderen der Umfang auf Kredite an natürliche Personen und Immobilienfinanzierungen ausgedehnt wird. In dem aktuellen Vorschlag behält sich die EZB ferner vor, weitere Meldeanforderungen zu definieren.

Hohe Umsetzungsaufwände für Institute

Interessant ist sicherlich die Granularität der zu meldenden Informationen je Einzelkredit. So sieht der Vorschlag Details zu den Kreditforderungen vor wie Angaben zum Kredit, dem Kreditnehmer, vorhandenen Sicherheiten aber auch Risikokennziffern wie PD's oder LGD's. Dabei beinhalten die Anforderungen auch Daten, die deutschen Kreditinstitute bisher so nicht vorliegen. Daher wird das jeweilige AnaCredit-Projekt hohe Implementierungskosten erzeugen. Aufgrund der großen Menge an zu meldenden Daten müssen sich die Kreditinstitute zusätzlich auch auf entsprechend hohe laufende Kosten einstellen. Zusätzlich sollte auch die Verarbeitungslaufzeit der IT-Systeme (Performance) von Anfang an beachtet werden, damit die Fachabteilungen genügend Zeit für Prüfung und pünktliche Abgabe der AnaCredit-Meldung haben werden.

Ursächlich für die hohen Umsetzungsaufwände und -kosten ist die Notwendigkeit Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen und IT-Systemen (Bilanzierung und Rechnungswesen, Risikomanagement, Meldewesen) zusammen zu führen sowie die Aufnahme der noch nicht vorliegenden Datenanforderungen. Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden, dass trotz des erheblichen Meldeumfangs von AnaCredit die Meldung (vorerst) additiv erfolgt, d.h. alle bestehenden Meldepflichten zu nationalen Kreditregistern und statistische Meldungen weiterhin Bestand haben.

Kurzfristig keine Entlastung durch wegfallende Meldungen

Neben diesen genannten umfangreichen Datenanforderungen denken die Gremien der EZB zusätzlich darüber nach, wie die Bereitstellung von zusätzlich geforderten granularen Daten in einem einheitlichen europäischen Framework ERF (European Reporting Framework) umzusetzen und zu melden sind. Dieses kann dazu führen, dass nicht nur AnaCredit mit den zusätzlichen Anforderungen umgesetzt werden muss, sondern auch bestehende statistische Meldungen sich inhaltlich und meldetechnisch erheblich ändern werden.

Bedenkt man, dass Institute gerade erst zum 31.12.2014 die Meldungen der monatlichen Bilanzstatistik (BiSta), des Auslandstatus (Asta) und der MFI-Zinsstatistik (ZiSta) erweitern mussten und ERF mit dem Ziel angetreten ist, einerseits die Datenkonsistenz zu erhöhen und andererseits durch Verzicht auf nicht mehr benötigte Erhebungen den Meldeaufwand zu reduzieren, ist das Vorhaben vorerst kritisch zu sehen.

iBS erarbeitet Lösungsstrategien für ihre Kunden

Das Meldewesen-Team der iBS AG analysiert aktuell die von der EZB und der deutschen Bundesbank bereitgestellten Informationen, um gemeinsam mit ihren Kunden und den Melde-Tool Herstellern erste grundsätzliche Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Interessierte Institute und Partner sind herzlich Willkommen sich an diesem Dialog zu beteiligen. Sprechen Sie uns an.

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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