Basel 3,5 beschert Finanzinstituten neue Regeln für die Abbildung von Marktpreisrisiken im Handelsbuch sowie erweiterte Vorschriften für das Verbriefungsrisiko und das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch. Basel IV möchte vereinfachen, standardisieren und besserer Vergleichbarkeit schaffen. Ein Überblick.

Basel 3,5 will Risiken besser abbilden

Überarbeitete aufsichtliche Behandlung von Marktpreisrisiken im Handelsbuch

Bereits in 2013 hat der Baseler Ausschuss ein Konsultationspapier zur grundlegenden Überarbeitung der aufsichtsrechtlichen Behandlung des Marktrisikos im Handelsbuch vorgelegt ("Fundamental review of the trading book"). Ziel des Vorhabens ist für die Kapitalunterlegung von Marktpreisrisiken im Handelsbuch einen konsistenten regulatorischen Rahmen zu schaffen, der auch den Erkenntnissen aus der Finanzkrise umfassend Rechnung trägt.

Schwerpunkte sind insbesondere die folgenden Aspekte:

  • Überarbeitung der Abgrenzungsregeln zwischen Handels- und Anlagebuch mit der Zielsetzung, die Spielräume für die regulatorischen Arbitrage zu begrenzen
  • Berechnung der Kapitalanforderungen mittels Expected Shortfall (ES) als alternatives Risikomaß zum Value at Risk (VaR), um Extremrisiken besser abzubilden
  • Stresskalibrierung als alleinige Grundlage für die Parametrisierung des Risikomodells
  • Differenzierte Berücksichtigung von Aspekten der Marktliquidität in der Risikorechnung durch die Zuordnung der Instrumente zu Liquiditätshorizonten und die Berechnung von Kapitalaufschlägen für Instrumente, die in Stresszeiten einem erhöhten Illiquiditätsrisiko ausgesetzt sind
  • Grundlegende Überarbeitung des Standardansatzes um Risikosensitivität, Transparenz und Konsistenz zu verbessern und die Abhängigkeit von internen Bewertungsmodellen zu reduzieren
  • Stärkere quantitative Verzahnung von internen Modellen und Standardansatz mit dem Ziel, den Widerruf der Zulassung von internen Modellen zu erleichtern
  • Verschärfungen im Zusammenhang mit der Genehmigung von internen Modellen und in Bezug auf die Granularität des Backtesting und der Modellvalidierung

Das entsprechende Papier ist aktuell vor allem eine Diskussionsgrundlage und somit noch weit von einer aufsichtsrechtlichen Umsetzung entfernt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Baseler Ausschuss dieses Thema in den nächsten Monaten aktiv vorantreiben wird. Eine Umsetzung in europäisches Recht ist mittelfristig wahrscheinlich.

Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch

Die nationale Aufsicht kann nach § 10 Absatz 1b Nr. 1 KWG erhöhte Eigenmittel-Anforderungen für das Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch  anordnen, die nicht oder nicht in vollem Umfang Gegenstand der Solvabilitätsverordnung beziehungsweise der seit 1. Januar 2014 geltenden CRR sind. Dieses Recht hat die BaFin 2013 durch eine detaillierte Spezifikation der Anforderungen konkretisiert. Sie zieht freie Vorsorgereserven künftig vom Risikobetrag für das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch ab und wertet freie Vorsorgereserven zu diesem Zweck ähnlich wie regulatorische Eigenmittel.

Hierbei handelt es sich um eine nationale Auslegung, die im Rahmen des Single Rulebook möglich ist. Wahrscheinlich ist, dass diese jedoch mittelfristig in eine transparente und europaweit gültige Regelung übergehen wird.

Basel IV: Vereinfachung der bestehenden Berechnungsregeln, Transparenz und mehr Standard

Wesentliche Triebfedern der Basel IV-Diskussion sind das Konsultationspapier „The regulatory framework: balancing risk sensitivity, simplicity and comparability“ des Baseler Ausschusses sowie die weiterhin vorhandene, teils massive  Kritik am aktuellen Regelwerk Seitens Kreditinstitute und nationaler Aufsichtsbehörden.

In dem Konsultationspapier des Baseler Ausschuss zielt darauf ab, ein besseres Gleichgewicht zwischen

  • der Risikosensivität in den Kreditinstituten sowie
  • möglichen Vereinfachungen der vorgegebenen Standards und
  • der Vergleichbarkeit im Rahmen der Offenlegungsvorschriften durch Kreditinstitute bereitgestellten Informationen an die Aufsichtsbehörden und interessierte Marktteilnehmer.

Desweiteren wird angeregt einen nicht risikosensitiven Leverage Ratio von deutlich über 3% zu etablieren. Dieses hätte als Konsequenz, dass die maximale Verschuldungsquote vom bisher 33 fachen des Eigenkapitals noch weiter absinken würde. Bei einer Leverage Ratio von beispielsweise 4% würde die die Verschuldungsquote auf das 25-fache sinken). Bei diesen Überlegungen spielt es sicher eine Rolle, dass die Aufsichtsbehörden einiger Länder im Rahmen der Basel III Umsetzung hier schon aktiv wurden. So müssen in der Schweiz die größten Kreditinstitute eine Leverage Ratio in Höhe von circa 4,3 Prozent bis 2019 erreichen und dauerhaft einhalten.

In dem Diskussionspapier plädiert der Basler Ausschuss, dass in einer „Parallelphase“ von 2013/14 bis 2017 die 3%-Grenze für die Leverage Ratio als Benchmark untersucht und in diesem Zeitraum zusätzlich die Wirkung differenter Kapitalgrößen geprüft werden soll – sowohl für das gesamte regulatorische Eigenkapital (T-1) als auch für das harte Kernkapital (CET-1).

Zusätzlich enthält das Basler Papier detailliertere Anweisungen, wie Forderungen genau zu bemessen sind und wie die Offenlegung ab 2015 gestaltet werden soll.

Interne Modelle auf dem Prüfstand

Ein sehr kontrovers zu diskutierendes Thema des Baseler Reformwerkes sind die Vorschläge und Ideen zur Einschränkung und Begrenzung von internen Modellen. In der Vergangenheit haben der Baseler Ausschuss und nationale Aufsichtsbehörden interne Modelle ausdrücklich unterstützt und häufig  auch präferiert. Nun stellt man fest, dass die vorhandenen internen Modelle in den meisten Fällen extrem komplex sind. Hierdurch ist die aus Sicht der Aufsicht notwendige Transparenz kaum mehr gegeben. Ferner ist die Vergleichbarkeit zwischen den Kreditinstituten, die interne Modelle nutzen, kaum noch vorhanden.

Ein wesentlicher Stein des Anstoßes ist das extreme Ausmaß, in dem Kreditinstitute an der RWA-Optimierung zur Reduzierung von Eigenkapitalanforderungen in den internen Modellen arbeiten. Das ursprüngliche Ziel interner Modellen, eine risikosensitivere und -adäquatere Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeiten und erwarteten Verluste zu erzielen, gerät so aus Sicht von Aufsichtsbehörden zu sehr ins Hintertreffen.

Erweiterung der Offenlegungspflichten

Abschließend betrachtet der Baseler Ausschuss noch Möglichkeiten, die Offenlegungspflichten zu optimieren. Mit Anreiz-Mechanismen und neuen Verpflichtungen möchte der Baseler Ausschuss eine bessere Vergleichbarkeit der Kreditinstitute auch für interessierte Marktteilnehmer erreichen. Zu letzteren zählen insbesondere die regelmäßigen Offenlegung von detaillierteren Kennzahlen, die für Marktteilnehmer von Interesse für eine Investition in das jeweilige Kreditinstitut sein können – der Baseler Ausschuss nennt hier Kennzahlen wie „Kapitalquoten unter Berücksichtigung von Marktwerten für Vermögenswerte“, „Risikokennzahlen unter Berücksichtigung der Eigenkapitalvolatilität“ oder auch „umsatzbasierte Leverage Ratios“ sowie „eine Kennzahl für das Verhältnis von notleidenden zu gesunden Forderungen“.

Nach IV kommt V + x

Damit nicht genug. Neben den aufgeführten, unter den Schlagwörtern Basel 3,5 und Basel IV diskutierten Punkten existiert zahlreiche weitere Themenkreise, die die Kreditinstitute in den nächsten Jahren beschäftigen und wahrscheinlich auch belasten werden. Zu nennen sind hier insbesondere:

  •  „Trennbankensystem in der Europäischen Union“: Inhalt ist, die Separierung von bestimmten Handelsgeschäften vom klassischen Bankgeschäft zur Abschirmung von Risiken, insbesondere von Kundeneinlagen
  •  Aufstellung von Sanierungsplänen: Verpflichtung zur Erstellung Sanierungsplanung inklusive Stressszenarien und Handlungsoptionen
  •  FKAG (Finanzkonglomerate-Aufsichtsgesetz: Regelung zur Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten; Erstellung der Meldung auf Basis der sog. Konzernabschlussmethode. Alternativ Aggregation von Einzelabschlüssen oder Kombination aus beiden Ansätzen möglich
  • Grundsätze für den Umgang mit Risikodaten & -berichten: Prinzipienbasierte Vorgaben für die Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung (u.a. Governance, Flexibilität, Genauigkeit, Zeitnähe)
  • Target Security (T2S): Regulierung und Standardisierung des Handels von OTC-Derivaten, Plattform für die Abwicklung von Wertpapieren in der EU
  • IFRS 9: Einführung des neuen IFRS-Regelwerks: nach mehrmaliger Fristverschiebung wurde 2018 als Starttermin anvisiert
  • Managerhaftung: neues Gesetzt mit entsprechenden Strafvorschriften für gesetzlich näher umschriebene Versäumnisse im Risikomanagement verabschiedet mit Inkrafttreten 2014

Die hohe Änderungsdynamik bleibt uns erhalten

Für Kapital- und Finanzmärkte sind die Zeiten der Deregulierung vorbei. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass es der Markt alleine nicht richtet. Daher sind Regeln notwendig.
Wenn man die vorliegenden Reformideen näher ansieht, stellt man fest, dass es nicht an Ideen mangelt, die Finanzmärkte stabiler zu gestalten. Abzuwarten bleibt, welche der Vorschläge bis wann und in welcher Ausgestaltung den Weg in die globale,  europäischen und nationale Umsetzung finden.

Wichtig dabei ist, die richtige Balance zu finden zwischen Sicherheit, Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit. Dieses sinnvoll auszutarieren wird ein längerer Weg sein und daher seine Zeit benötigen. Die Implementierung neuer und veränderter regulatorischer Vorgaben wird somit auch in den kommenden Jahren eines der Top-Themen für Finanzinstitute bleiben - und damit auch für die iBS als Ihr Partner für die effiziente Umsetzung. Insofern freuen wir uns auf eine gute weitere Zusammenarbeit.

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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