Das als Reaktion auf die globale Finanzkrise entstandene Basel III-Regelwerk ist seit dem 1. Januar 2014 EU-weit in Kraft. Aktuell wird in Banken die erste Meldung bearbeitet, welche bis Ende dieses Mai-Monats abgegeben werden muss. Kehrt damit jetzt Ruhe ein? Eher nicht. Ein Ausblick von Henrik Neunhoeffer.

Sieht man sich das europäische Reformpaket CRD IV - bestehend aus CRR (Capital Requirements Regulation) und CRD IV (Capital Requirements Directive Number IV) - genauer an, so stellt man schnell fest: fertig umgesetzt ist das Ganze noch lange nicht.

So gibt es vor allem im Umfeld der qualitativen Verbesserung des harten Kern- und Ergänzungskapital zahlreiche mehrjährige Übergangsregeln. Diese geben Kreditinstituten bis 2019 die Möglichkeit, Altbestände zeitweise weiterhin als Eigenkapitalbestandteile zu nutzen bzw. nicht sofort im vollen Umfang vom Eigenkapital abzuziehen. Einige ausgewählte Beispiele stellt die nachfolgende Tabelle dar.

Position

Behandlung KWG (SolvV)

Behandlung in CRR

Immaterielle Vermögensgegenstände

Abzug vom Kernkapital

Abzug vom harten Kernkapital

Goodwill

IFRS-Banken: Abzug vom Kernkapital

HGB-Banken: aktivischer Unterschiedsbetrag

Abzug vom harten Kernkapital

Nicht konsolidierte Beteiligungen innerhalb des Finanzsektors

hälftiger Abzug vom Kern- und Ergänzungskapital,
soweit bestimmte Schwellen überschritten werden

Abzug von der gleichen Kapitalklasse, in die investiert wurde,
soweit bestimmte Schwellen überschritten werden

Aktive latente Steuern

kein Abzug/keine Begrenzung

grundsätzlich vollständiger Abzug vom harten Kernkapital

Verluste des laufenden Geschäftsjahres

Möglichkeit der Festsetzung eines Korrekturpostens auf das haftende Eigenkapital

Abzug vom harten Kernkapital

Wertberichtigungsfehlbetrag bei IRBA-Banken

hälftiger Abzug vom Kern- und

Ergänzungskapital

Abzug vom harten Kernkapital

Überschüsse aus leistungsorientierten Pensionsplänen

Kein Abzug

Abzug vom harten Kernkapital

 

Für all diese Regelungen gibt es jeweils "Phase-In"-Regeln. Abbildung 1 zeigt beispielhaft die sechs Jahre dauernde Übergangsphase im Bereich der "Nicht konsolidierte Beteiligungen".

 201404 crdiv am ziel- uebergangsregeln abzug nichtkonsolidierte beteiligungenAbbildung 1: Übergangsregeln für den Abzug von nichtkonsolidierte Beteiligungen

Zusätzlich zu den Übergangsregeln kommen Themen, bei denen die EBA erst jüngst die endgültigen Anforderungen veröffentlicht bzw. beschrieben hat. Als Beispiele seien die folgenden neun Regulatory Technical Standards (RTS) genannt, die gerade erst von der EU-Kommission freigegeben wurden:

Desweiteren gibt es Meldebereiche, die erst im Laufe des Jahres zu neuen Meldungen im Rahmen des CRD IV-Reformpaketes führen. So müssen Kreditinstitute ab dem 30.06.2014 Verlustraten aus Immobilienfinanzierungen melden, bei denen eine Privilegierung im Rahmen der Risikogewichtung von den Kreditinstituten genutzt wird. Ab Dezember 2014 müssen ferner belastete Aktiva (Assett Encumbrance) detailliert gemeldet werden, damit die Aufsicht einen Überblick hat, ob im Insolvenzfall des Kreditinstituts Gläubiger bevorzugt behandelt werden.

Zu guter Letzt gibt es Themenfelder, in denen bisher nur Beobachtungskennzahlen definiert wurden. Bei diesen behält sich die Aufsicht vor sie aufgrund der Erfahrungen aus dem Beobachtungszeitraum nach zu kalibrieren, bevor diese dann zu endgültigen, verbindlich einzuhaltenden aufsichtlichen Kennzahlen werden. Das prominenteste Beispiel ist die LCR, bei der es zusätzlich bis zum jetzigen Zeitpunkt auch noch unklare Anforderungen gibt.

Liquidity Coverage Ratio =    Bestand an hochliquiden Aktiva   > Minimum-LCR 
Netto-Mittelabflüsse unter Stress 

201404 crdiv am ziel-phase in minimum lcr

Allein, wenn man sich die bisher dargestellten Punkte ansieht, erkennt man - auch ohne in die Tiefe zu gehen, dass bei der Umsetzung von Basel III noch eine Menge Arbeit auf die Kreditinstitute wartet. Hinzu kommen neue Themen. So wird schon von Basel 3,5 und von Basel IV gesprochen. Was sich hinter diesen verbirgt, werde ich für Sie in Kürze  in einem weiteren Artikel zusammenfassen.

Autor: Henrik Neunhoeffer, Meldewesen-Spezialist, iBS AG

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