Während die Europäische Union und die europäische Bankaufsicht (EBA) konsequent den Weg der Umsetzung der neuen Regularien gehen, sieht es in anderen Wirtschaftsräumen, vor allem den USA, ganz anders aus. Aus diesem Grund sind die ersten Warnungen über mögliche Wettbewerbsnachteile aus der Finanzindustrie und der europäischen Politik zu hören.

Es ist noch nicht lange her, da zeigte die Finanzkrise sehr deutlich, dass die aktuellen Regelungen von Basel II – in Deutschland umgesetzt als Verordnung über die angemessene Eigenmittelausstattung von Instituten, Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen (Solvabilitätsverordnung - SolvV – keine ausreichenden Schutzregeln für die Finanzinstitute definierte. Hinzu kam, dass die USA das Basel II-Paper wörtlich nahm und nur für international tätige Banken in Form von Aktiengesellschaften umsetzte, nicht aber für kleine regionale Banken oder gar Kreditmakler. Diese Regelungslücken waren sicher mitverantwortlich, dass in den USA zwischen 2008 und 2011 über 400 Banken geschlossen werden mussten.

Aber auch in der Europäischen Union, wo die Basel II-Regelwerke mit wenigen Ausnahmen, z.B. kfw, für nahezu alle Finanzinstitute umgesetzt wurden, gab es erhebliche Probleme. So hat die Koexistenz zwischen nationaler Bankenaufsicht und internationalen Kapitalmärkten sich als nicht zielführend erwiesen. Als Folge mussten die Staaten die Banken mit hohen Milliardenbeträgen stützen, Pleiten konnten trotzdem nicht vollständig verhindert werden.

Dieses hatte zur Folge, dass sich die Politik für neue und strengere Regeln für die Banken aussprach. Vor allem sollten höhere Kapitalpolster und eine deutlich verbesserte Liquiditätsstandards Abhilfe leisten. Hiermit war im Prinzip Basel III geboren. Der Baseler Ausschuss kam den von der Politik formulierten, gestiegenen Anforderungen nach und veröffentlichte am 16.12.2010 die entsprechenden Ausarbeitungen:

Da sich die G20-Staaten sowie die wichtigsten Schwellenländer auf eine vollständige Umsetzung verpflichteten, begannen im letzten Jahr die nationalen Ausarbeitungen der Gesetze.

Jetzt liegen aus den wichtigsten Staaten und Staatengemeinschaften die Gesetzesvorschläge vor und gerade die Verzahnung von makro- und mikroprudentieller Aufsicht in Europa wird von den Experten als die richtige Zielrichtung angesehen. Die Konsultationsphasen sind aktuell im vollen Gange sowie Auswirkungsstudien werden erstellt. Folge ist nun, dass sich die verschiedenen Interessensgruppen in Stellung bringen.

So werden in Brüssel die ersten Stimmen laut, die eine Verschiebung der Basel III (CRD IV-Paket) Regelungen fordern. Grund hierfür sind vor allem die zögerlichen Umsetzungsvorschläge aus den USA. So schlägt die US-amerikanische Notenbank FED wieder vor, dieses Regelwerk nur für international tätige Großbanken einzuführen und verhält sich auch bei der Einführung der neuen Liquiditätsregeln bisher noch sehr zögerlich. Dieses kann nach den Worten des österreichischen Europa-Abgeordneten Othmar Karas zu schwerwiegenden Wettbewerbsnachteilen für die europäischen Banken führen. Dem gegenüber sieht der EU-Binnenkommissar Michel Banier keinen Bedarf, die Regelungen abzuschwächen und geht weiterhin von einem Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens bis zur parlamentarischen Sommerpause aus.

Interessant in diesem Zusammenhang ist sicherlich, dass die Boston Consulting Group (BCG) zu dem Schluss kommt, dass die strengeren Kapitalanforderungen schon ab 2012 eingehalten werden müssen. Dies zeigt der aktuelle Risk Report „Facing New Realities in Global Banking“. Hiernach müssen die europäischen Banken einen umfangreichen Umsetzungsplan für die neuen Kapitalanforderungen entwickeln, insbesondere aufgrund gestiegenen Zeitdrucks. Denn nach Angaben des BCG-Risk-Reports werden die erhöhten Kapitalbedarfe der EBA-Anforderungen die Effekte der durch den Baseler Ausschuss von 2013-2022 einzuführenden Verschärfungen der Basel III-Regelungen vorwegnehmen

Nach Angaben des BCG-Risk-Reports beabsichtigt eine Großzahl der betroffenen europäischen Banken, die Basel III-Anforderungen (CRD IV in der EU) in 2013 im vollen Umfang zu erfüllen. Dieses zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass einige Institute, wie beispielsweise die Deutsche Bank, schon in 2011 anfingen hartes Kernkapital aufzunehmen.

Schwerer wird es für die europäischen Banken sicherzustellen, die neuen Liquiditätskennzahlen (LCR & NSFR) frühzeitig jederzeit zu erfüllen. Dieses zeigt sich auch in der aktuellen sehr angespannten Situation auf dem Refinanzierungs-Liquiditätsmärkten. Diese veranlassten die EZB auch dazu, den Banken aktuell langfristig Liquidität bereitzustellen.

Die Fragen, die sich nun stellen sind:

  • Wer wird sich durchsetzen? Die EU-Kommission und die EBA oder doch die Interessensgruppen?
  • Wird es ein Nachteil für die europäische Kreditwirtschaft werden, wenn die Basel III/CRD IV-Regeln schärfer sind als die US-amerikanischen und britischen oder vielleicht umgekehrt sogar ein Vorteil?
  • Welche Folgen werden die neuen Liquiditätsregeln auf die Kreditvergabe der Kreditwirtschaft haben? Ein Themenbereich, der international bisher noch nicht einheitlich geregelt ist .
  • Wird die EBA eine einheitliche europäische Aufsichtsstrukur schaffen können, oder werden sich nationale Interessen durchsetzen und damit die Zersplitterung des europäischen Finanzmarktes in Kauf nehmen?
  • Fachlich wird es sicher auch interessant werden, in wie weit sich das European System Risk Board (ESRB) mit qualitativ hochwertigen Analysen sein Mandat weit fasst und wie die Behörden und Märkte auf die Empfehlungen des ESRB reagieren wird.

Fakt ist aktuell zumindest, dass die europäischen Banken sich auf eine zeitnahe Umsetzung der Basel III/CRD IV-Regelwerk einstellen und dass dieses das Vertrauen in die europäische Finanzwirtschaft sicherlich stärken wird. Zusätzlich werden die europäischen Banken ihr Risikomanagement deutlich erweitern und als integralen Teil der Geschäftssteuerung betrachten (müssen), um den regulatorischen Anforderungen zukünftig jederzeit gerecht zu werden.

Auch wird es für die europäischen Banken in Zukunft von Bedeutung sein, ihr Liquiditätsmanagement nicht nur aus Sicht des Handels zu steuern, sondern eine Integration mit den regulatorischen Anforderungen umzusetzen. Nur so können die relevanten Kennzahlen durch die Bank jederzeit eingehalten werden. Gerade in diesem Umfeld wird es daher wichtig, eine IT-technische Verbindung zwischen Handel und Meldewesen zu implementieren und durch Simulationen oder Durchspielen von Stressszenarien jederzeit analysieren zu können, welche Auswirkungen neue Produkte oder bestimmte Handelsaktivitäten auf die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen haben.


Autor: Henrik Neunhoeffer, Innvovation Manager, iBS AG

Diese Webseite nutzt Cookies, um Funktionalitäten zu ermöglichen und zur Analyse, um dadurch die Nutzererfahrung zu verbessern (Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie diese Cookies zulassen möchten.